Martinskirche, Oberlenningen

Haußdörffer 1738, Walcker 1907,
Rensch 1959

Technische Daten

1735-1739 Johann Carl Sigmund Haußdörffer (1714-1767) baut die Orgel, deren Gehäuse samt Prospekt und Prospektpfeifen erhalten ist. 1793 Reparatur durch Johann Victor Gruol den Älteren. Im Kostenvoranschlag werden die Register „Flout traverhiere „ und „viola di gamba“ genannt, die auf einer  „neuen WindLade“ stehen. Diese muss Gruol schon angetroffen haben. Auch eine Pedalwindlade wird genannt. Das Instrument könnte demnach über zwei Manuale und Pedal verfügt haben. 1808 Erneute Reparatur durch Victor Gruol den Älteren Einige Pfeifen wurden ersetzt und die Blasebälge neu beledert 1904 Orgelbauer Friedrich Schäfer regt einen Orgelneubau an 1907 Die „Herren Scheufelen“ stiften ein neues Orgelwerk in das alte Gehäuse Im selben Jahr wird das Instrument nach nur dreimonatiger Bauzeit als Opus 1388 geliefert. Pneumatische Kegelladen mit Pneumatischer Registertraktur und „Organola Einrichtung“.

Disposition laut Voranschlag vom 17 April 1907

I. Manual C-g’’’ 56 Noten
1. Bourdon 16’ von Holz, gedeckt
2. Principal 8’ von Hol, Zink, Probzinn mit Stimmschlitzen
3. Flauto amabile 8’ von Holz, offen
4. Viola di Gamba 8’ von Zink, Probzinn mit Stimmschlitzenn
5. Dolce 8’ von Probzinn mit Stimmschlitzen
6. Octav 4’ von Zink, Probzinn mit Stimmschlitzen
7. Oktav 2’ aus der Mixtur
8. Mixtur 2 2/3’ 3 fach von Probzinn mit Stimmschlitzen
II. Manual C-g’’’ 56 Noten
9. Geigenprincipal 8’ von Holz, Zink, Probzinn mit Stimmschlitzen
10. Lieblich Gedeckt 8’ aus Holz und Probzinn
11. Aeoline 8’ von Zink und Probzinn mit Stimmschlitzen,
untere Octave mit Nr 8 verbunden (muss wohl Nr. 4 heißen)
12. Flauto dolce 4’ von Holz und Probzinn
Pedal C-f’’ 30 Noten
13. Subbass 16’ von Holz, gedeckt
14. Gedecktbass 16’ durch Transmission von Nr. 1
15. Violoncello 8’ durch Transmission von Nr. 4
Nebenzüge
16. Coppel II. Manual zum I. Manual
17. Coppel I. Manual zum Pedal
18. Coppel II. Manual zum I. Manual Pedal
19. Collectivdrücker für Tutti
20. Generalcrescendo- u. Decrescendo- Vorrichtungfür’s ganze Werk,
mittelst Rollschwellers, samt Zeiger, die jeweils gezogene Registrierung andeutend
21. Superovtavcoppel I. Man.
22. Suboctavcoppel II. Man./I. Man.

1909 Stimmvertrag mit Walcker

Baugeschichte
1956 Auftrag an Orgelbau Rensch für eine neue Orgel mit neuem Brüstungspositiv nach Plänen von Dr. Walter Supper, dem zuständigen Orgelsachberater.
1957 Abbruch der Walcker Orgel samt Organola
1958 Einweihung der neuen Rensch Orgel

Standort Chorempore
Hauptgehäuse 1739 Johann Carl Siegmund Haußdörffer
Rückpositiv seit 1958 in der Emporebrüstung.
Die Bilder auf dessen Flügeltüren stammen aus dem Teil der Emporenbrüstung, der jetzt vom Rückpositiv verdeckt ist. Auf dem rechten Flügel ist Christus als Salvator mundi dargestellt, auf dem linken König David (mit Krone) Harfe spielend.

Prospekt des Rückpositivs:
einteilig nach außen ansteigend, kürzeste Pfeife in der Mitte, Labien gegenläufig, Historischer Rokoko-Prospekt von Haußdörffer: abgeflachter Mittelurm umgeben von zwei niedrigen Flachfeldern, die halbrunden Außentürme konvex. Vergoldete Ohren und Schleierbretter am Mittelturm mit je zwei stilisierten fünfblättrigen rosa Blüten an grün belaubten Stengeln. Der ganze Umriss des Gehäuses ist von vergoldeten Rocaille Verzierungen eingefasst. Die Schleierbretter des Mittelturms laufen zu auf das vergoldete Rad des originalen Zimbelsterns. Von den Podesten der Türme ist nur das mittlere verziert. Sämtliche Pfeifenfelder schließen oben mit Rocaillen ab, diese sind symmetrisch angelegt, jedoch individuell geschnitzt. Auf den Außentürmen sitzen geschürzte und geflügelte Posaunenengel, die schräg nach oben blasen. Den Mittelturm bekrönt ein ebenfalls geflügelter Posaunenengel mit einer Leibbinde, der ein ovales Medaillon schräg vor den Beinen hält. Es stellt das Auge Gottes da. An seinem Podest ist ein weiteres Medaillon angebracht mit dem hebräisch geschriebenen jüdischen Gottesnamen JHWH (Jod – He – Waw – He) von rechts nach links geschrieben. Der neutestamentliche Gottesname, Christus, erscheint im Schleierbereich des Rückpositives in den ineinander geschriebenen griechischen Buchstaben chi rho (PX) dem Christus-Monogramm. Die Bekrönung des Rückpositivs stammt vermutlich aus späterer Zeit. Sie ist nicht ungeschickt dem Rocaille-Stil Haußdörffers nachempfunden. Die von einem Pinienzapfen bekrönte Vase in der Mitte fällt, auch wegen der seitlichen Zöpfe, stilistisch aus dem Rahmen. Die ganze Leiste bildete den oberen Abschluss des freistehenden Spieltischs der Walckerorgel. Dem Stil nach könnte dieser Aufsatz auch von Johann Victor Gruol dem Älteren stammen, der die Haußdörfferorgel 1793 und 1828 repariert hatte. Aus dem Kostenvoranschlag von Gruol von 1793 kann man schließen, dass es sich um einen freistehenden Spieltisch handelte. So gesehen macht auch das Guckloch, mit Griff zum öffnen, einen Sinn, denn da hindurch konnte der Organist zum Altar sehen.

Das Pfeifenschema der Hauptorgel:
8 8 11 8 8 insgesamt 43 Pfeifen
Rückpositiv: 29 Pfeifen
Zusammen 62 Pfeifen.

Das historischen Gehäuse der Hauptorgel ist grünlich marmoriert, die Gesimse bräunlich. Das Rückpositiv insgesamt heller gehalten, gräulich marmoriert und die Gesimse in einem helleren Braun. In der Emporenbrüstung mit den alten Bildern sind die Farbtöne genau in der Mitte zwischen historischem Gehäuse und dem später zugebauten Rückpositiv von Supper – Rensch. Dass die Farbgebung so sorgfältig auf einander abgestimmt ist, lässt darauf schließen, dass sie 1959 beim Neubau neu aufgetragen worden war. Das originale Ensemble von Chorgewölbe (Auge Gottes direkt unter dem Schlussstein mit einer  Madonnendarstellung), prächtigem Rokoko Prospekt auf eine original bebilderten Barockempore wird empfindlich gestört durch die orgelbewegte Zutat des Rückpositives, dessen ungegliederter Prospekt brutal allen anderen Formprinzipien des Ensembles Hohn spricht. Die begeisternde Schönheit der Haußdörfferprospektes blüht leider im Verborgenen, des halbdunkeln Chorraumes. Der künstlerisch reichste Orgelprospekt unter Teck wartet darauf, von einer professionellen Beleuchtung ins rechte Licht gesetzt zu werden.

Spielschrank:
Manual I Hauptwerk, Manual II Rückpositiv, Pedal
Umfang Manuale: C – g’’’, Pedal C – f’
Spielhilfen keine
Kein Schweller
Notenpult aus Eiche, eingeschraubter Kasten
Breite/Höhe/Tiefe/Neigung 820 mm, 400 mm, 69 mm, 15°
Beleuchtung Notenpult: Sofitte, kombiniert mit Heizung, nicht vom Orgelbauer montiert.
Beleuchtung Pedal: Leuchtstoffröhre unter Fundamentbrett, mittig.
Beleuchtung Manubrien: wie Notenpult
Beleuchtung des Orgelinneren: Leuchtstoffröhren
Beleuchtung des Prospekts: im Gewölbe montierte Strahler mit mäßiger Wirkung.
Motorschalter: Dreiphasiger Knebelschalter
Schalter für Zimbelstern: Fußtritt
Kontrolllicht Motor: keines
Steckdosen: je 2 x links und rechts,
rechts unter dem Fundamentbrett.
Elektroinstallation: Kabelstecker für Noten und Pedalbeleuchtung, sowie Finger- und Bankheizung.
Heizung: Fingerheizung im Metallgehäuse zusammen mit Notenlicht, Infrarotstrahler unter Notenfach der Orgelbank, großflächige mobile Heizwand für den Rücken.
Schlösser: an Spielschrank und einzelnen Gehäusetüren.
Schlüssel: ein einziger gemeinsamer Schlüssel.
Firmenschild: auf Stirnbrett unter dem Notenpult im Stil der Registerschilder.
Orgelbank: aus Eiche nicht verstellbar mit Notenfach.
Sonstiges: Vier Steckdosen, davon eine schaltbar mit Kontrolllicht in separatem Schaltertürmchen rechts auf Fußboden neben Pedal.

Manual
Mechanisch, Klaviatur zweischenklig, Oktavmaß 166 mm
Breite Untertasten (in mm) c 22,4 d 23,1 e 23 f 23,4 g 22,5,a 23 h 23,1
Breiteste/schmalste Untertaste: f 23,4 mm /c 22,4 mm,
Tastenfall: I 12 mm, II 12mm, Obertasten einsinken: I 2,6 mm, II 2,6 mm
Tastendruck: I 125 – 200 g, II 125 – 180 g, 
Länge Untertasten: I 126 mm,  II 126 mm Tastenköpfe: 46 mm,
Länge Obertasten unten: 75 mm, oben: 71 mm
Abstände Obertasten: cis-dis 17,5 mm, fis-gis  17,5mm, gis-ais 16 mm, ais-cis 32 mm, dis-fis 31,5 mm
Vertikaler/horizontaler Manualabstand: 62 mm /100 mm
Koppeln: I-P, II-P II-I,
Abstrakten Holz
Winkel: Alu
Wellenbretter: 3, Wellen: Alu, Ärmchen: Alu
Tastenbelag Untertasten: Buchsbaum, Obertasten: Ebenholz
Neigung der Klaviatur: I 1° nach vorne, II 2° nach vorne

Pedal
System: mechanisch
Form: Parallel, konkav, Obertasten geschweift, Oktavmaß 465 mm,
Tastenfall: 10 mm, Obertasten einsinken: 20 mm
Tastendruck: 900 – 1400 g
Länge Untertasten / Obertasten: 680 mm / 125 – 170 mm
Breite Untertasten / Obertasten: 21,5 mm / 21,5 mm Einschub: 215 mm
Vertikale Position unter Manual: 755 mm, horizontale Position: c° unter h°
Tastenbeläge: Unter- und Obertasten ganz aus Buche.

Mechanisch, Manubrien: gedrechselte Knöpfe
In vier senkrechten Reihen links und rechts der Klaviatur.
Stangen und Schwerter: Holz, Wellen und Arme: Eisen
Registernamen und Nummern in Kunstschrift (Renate Hauptmann) mit verzierten Initialen auf Holzschildchen über den Zügen.
Koppeln als Tritte.
Zimbelstern mit Windantrieb durch Fußtritt einzuschalten

Gebläse: Schnellläufer in Fensternische, Dreiphasenknebelschalter am Spieltisch. Motordaten nicht erfasst, weil nur unter Lebensgefahr einsehbar. Schwimmerbalg mit Rollventil, Windkanäle: runde glatte Kunststoffröhren, Kondukten Flexrohr (auch zum Zimbelstern).

Winddruck Motorbalg 73 mm WS, Windlade HW 56,3 mm WS, Pfeifenloch Oktave 4’ Ton c° 50,8 mm WS, Windlade Rückpositiv 73,3 mm WS,

Windlade Pedal 74,9 mm WS

Schleiflade, Schwanzventile, Kunststoffschleifen, Pfeifenaufstellung diatonisch nach außen ansteigend, HW C-H mittig, Rp und Pedal chromatisch.

Gesamtpfeifenzahl 1912 davon 30 Holzfpeifen und 134  Zungenpfeifen

HAUPTWERK II
Quintade 16′ Metall
Flötenprincipal 8′
Harfpfeife 8′ C-GIS gedeckt
Octave 4′ D – gis’’ im Prospekt
Coppelflöte 4′ halbgedeckt
Septimsesquialtera 2-3 fach ab a° mit Septime
Waldflöte 2′ konisch
Mixtur V-VI 2′ Repetition GIS dis° f’ g’’
Schalmey 4′ ab gis ’’ labial
RÜCKPOSITIV I
Gedackt 8′ Metall
Rohrflöte 4′
Praestant 2′ C –e’ Prospekt
Sifflöte 1 1/3’ nicht repetierend
Terzianscharff III-IV 1/2’ Terz ab F, Repetition H e° dis’ a’ d’’’gis’’
Musette 8′
PEDAL
Quintade 16′ Metall
Flötenprincipal 8′
Harfpfeife 8′ C-GIS gedeckt
Octave 4′ D – gis’’ im Prospekt
Coppelflöte 4′ halbgedeckt
Septimsesquialtera 2-3 fach ab a° mit Septime
Waldflöte 2′ konisch
Mixtur V-VI 2′ Repetition GIS dis° f’ g’’
Schalmey 4′ ab gis ’’ labial
PEDAL
Subbass 16′ Holz
Principal 8′ Metall
Spitzflöte 8′
Rohrpommer 4’
Choralbass 4’+2’’
Basszink 4 fach 2 2/3’
Fagott 16′ Stiefel Holz, Becher Metall

Kirnberger II modifiziert 
Absolute Tonhöhe: a’ 437,1 Hz bei 16,5° Celsius,
Relative Luftfeuchtigkeit 64 % atmosphärischer Luftdruck auf NN 1018 hPa
Tonhöhe gemessen am 26.09.2017, 16:14 Uhr mit der iOS App Tuner PTU-2 auf dem iPhone 7+ (iOS 11.0)

Schallpegel
Ruhe dBA Gebläse dBA
Min 57,5 dBA
Max 84 dBA

Alleinstellungsmerkmale:
Älteste original erhaltene Pfeifen unter Teck (1738),
erste Orgel unter Teck von Johann Sigmund Carl Haußdörfer.

Medien:
Teckbotenarchiv
Heimatbuch Anita Rauscher: Untersuchungen über die Orgeln des 18. und 19. Jahrhunderts im Evangelischen Dekanatsbezirk Kirchheim unter Teck

Ernst Leuze und Wolfgang Znaimer:
Schriftenreihe des Stadtarchivs Kirchheim unter Teck Band 36:
Orgeln unter Teck (S. 13)

Keyboard Casio mit externen Lautsprecherboxen

Kontakt

Adresse Pfarramt:
Evangelisches Pfarramt und Gemeindebüro Oberlenningen
Marktstraße 12
73252 Lenningen
Kirchengemeinden „Evangelisch am Albtrauf“

Adresse der Kirche:
St. Martinskirche
Marktstraße 10
73252 Lenningen

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