Evangelische Kirche, Neidlingen

Johann Ludwig Goll 1750,
Weigle 1937

Technische Daten

1609/10 Orgelbauer Lorenz Öthlin baut für die Friedhofskirche Neidlingen ein „Örgellin“.
1746 Einweihung der neu erbauten Kirche.  1
1750 Akkord mit Johann Ludwig Goll aus Weilheim an der Teck über den Bau einer Orgel mit 12 Registern.
Stiftung eines Zimbelsterns durch Neidlinger Bürger.
1775 Einrichtung der Bälge zum Treten (zuvor wurden sie von Hand aufgezogen).
1783 Reparatur durch Johann Andreas Goll, den Sohn des Erbauers.
1915 Ausreinigung für etwa 100 Mark durch Orgelbaumeister Friedrich Schäfer Kirchheim unter Teck. Er taxiert die restliche Lebensdauer des Instruments auf noch 10 bis 12 Jahre.
1918 Diskussion im Kirchengemeinderat über Erneuerung der Orgel und Austapezieren der leeren Öffnungen im Prospekt, entstanden durch zwangsweises Abliefern der Prospektpfeifen zu Kriegszwecken.
1919 Verzicht auf das Austapezieren, wegen der Aussicht auf eine baldige Orgelerneuerung mit der Begründung „Die Absicht einer baldigen Erneuerung der Orgel (wird) bestraft und die Orgel kann auch ohne Prospektpfeifen benützt werden.

1936 Beschluss des Kirchengemeinderats, die Orgel im alten Gehäuse neu zu bauen. Orgelrevident Prof. Küng hatte von einer Reparatur abgeraten. Einholung von Kostenvoranschlägen bei Walcker und Weigle. Alte Pfeifen sollten wiederverwendet werden.
1937 Beschluss des Kirchengemeinderates für einen Neubau im historischen Gehäuse nach der heute noch vorhandenen Disposition. Auftragsvergabe an Fa. Weigle Echterdingen.
Aus der alten Orgel wurden folgend Register wiederverwendet:
Principal 4’ Salicional 8’ ab c°, Dolce 4’. Dieses wurde umgebaut zu Nasat 2 2/3’.
Gebrauchte Holzpfeifen unbekannter Herkunft wurden verwendet für Principal 8’ C-H, Flöte 8’, Rohrflöte 8’ und Subbass 16’.
Das Gehäuse wurde vertieft und unten verbreitert.
Ohne direkten Kontakt mit dem verwurmten alten Gehäuse wurde das neue Orgelwerk eingebaut. Die Orgel kostete 5.310 RM
1952 Überholung durch Orgelbau Weigle
1965/66 Hauptausreinigung und Einbau eines elektrischen Orgelmotors
1981 Reparatur (Erneuerung der Tonventile)

Standort Westempore seit 1750. Siebenteiliger Barockprospekt (Zinkpfeifen 1937) mit rundem Mittelturm und zwei Spitztürmen, zwei flankierende Harfenfeldern und zwei doppelstöckigen Flachfeldern, die oberen Felder mit Blindpfeifen, 9 Prospektfelder mit 78 Pfeifen.

Dieser geradzahlige Wert kommt nur zustande, weil die beiden Doppelstockfelder mit 19 (links) und 20 (rechts) Pfeifen nicht ganz symmetrisch sind, was aber nicht auffällt, genau so wenig, wie die rechts und links abweichender Gestaltung der Schleierbretter. Am auffälligsten unterscheiden sich die auch in sich nicht symmetrischen Ohren. Das ist kein Zufall, sondern gehört zum Personalstil von Johann Ludwig Goll. Das zwei Jahre jüngere Instrument in Auendorf weist genau dieselben Unregelmäßigkeiten auf in Dekor und Pfeifenverteilung. Auffällig ist die Ähnlichkeit mit dem Prospekt von Johann Georg Späth in Zainingen, 1769. Die senkrecht sich erstreckenden Gehäuseteile sind grünlich marmoriert, die waagrechten Gesimse rotbraun. Das Untergehäuse war bis zum Umbau 1937 schmaler. Auf den Spitztürmen stehen zwei Symbolfiguren aus dem Alten und Neuen Testament, links ein Posaunenengel, rechts ein harfenspielender David. Die Orgel bildet, zusammen mit Kanzelaltar und Empore, ein (fast) originales Ensemble.

Spieltisch freistehend. Manual I Hauptwerk, Manual II Schwellwerk, Pedal.
Umfang Manuale; C – g’’’, Pedal C – f’
Spielhilfen: Tutti, Auslöser, Walze ab, Handregister aus Walze.
Mechanischer Jalousieschweller
Walze mit mechanischem Anzeiger
Notenpult aus Nussbaum in Fensterform, eingeschoben in Spieltischdeckel, höhenverstellbar, geriffelte Notenauflage.
Breite/Höhe/Tiefe/Neigung 817 mm, 315 mm, 50 mm, 25°
Beleuchtung Notenpult: Leuchtröhre neben Heizstab, verstellbar am Spieltischdeckel befestigt.
Beleuchtung Pedal: Sofitte seitlich links senkrecht.
Beleuchtung Manubrien: keine separate Beleuchtung.
Beleuchtung des Orgelinneren: Leuchtstoffröhren
Beleuchtung des Prospekts: fehlt
Motorschalter: Klobiger Ein/aus-Drücker an der linken Innenwand des Spieltisches.
Kontrolllicht Motor: Glimmlicht am Schalter sowie Noten- und Pedalbeleuchtung.
Steckdosen 1x am Spieltisch 2x unter Orgelbank
Elektroinstallation nachträglich und auffällig.
Heizung kombiniert mit Notenbeleuchtung, externer Infrarotstrahler auf Standfuß.
Schlösser an Gehäusetüren und am Rolldeckel, dort nicht funktionsfähig.
Schlüssel: Schrankschlüssel für Gehäusetüren links und rechts.
Kein Firmenschild, nur Jahreszahl und Opusnummer über Manual I.
Orgelbank: Fichte, im Farbton des Gehäuses gestrichen, nicht verstellbar.
Sonstiges: Emailleschilder über Walze und Schwelltritt, „Registerschweller Echo“

Manual
Pneumatisch, Oktavmaß 165 mm,
Breite Untertasten (in mm): c 22,6 d 22,9 e 22,4 f 23 g 23 a 22,7 h 22,4
Tastenteilung: breiteste/schmalste Untertaste g 23mm /e 22,4 mm, h 22,4 mm
Tastenfall: I 10 mm, II 12mm, Obertasten einsinken I 1mm, II 2mm
Tastendruck: 80 – 110 g
Länge Untertasten: 127 mm, Tastenkopf 46 mm
Abstände Obertasten: Cis-dis 18 mm, fis-gis  17mm, gis-ais 16,7 mm,
ais-cis 31,3 mm, dis-fis 31,9 mm
Vertikaler/horizontale Manualabstand: 61 mm / 79 mm
Koppeln: II-I, Ober II-I, I-P, II-P
Tastenbelag: Untertasten Elfenbein, Obertasten Ebenholz
Neigung der Klaviaturen: 1° nach innen

Pedal
Form: Parallel, konkav, Obertasten geschweift, Oktavmaß 463 mm,
Tastenfall: 20 mm, Obertasten einsinken 25 mm
Tastendruck: 800 g – 1100 g
Länge Untertasten / Obertasten: 500 – 540 mm / 100 – 145 mm
Breite Untertasten / Obertasten: 25 mm / 25mm Einschub: 180 mm
Vertikale Position: 750 mm unter Manual, horizontale Position: c° unter a°
Tastenbeläge:  Buche

Pneumatisch, Manubrien: Kipphebel für Register und Koppeln,
Anordnung in einer Reihe über dem 2. Manual.
Registernamen auf kreisrunden Knöpfen mit goldbronziertem Rand,
Fußtonhöhen mit Steinschrift in die Kipphebel eingraviert.
Vier verschiedenen Farben, HW rot, SW blau, Ped gelb, Koppeln grün.
Farbe, Beschriftung, Form und Größe des Knopfes „Mixtur“ unterscheiden sich deutlich von den übrigen. Das deutet auf eine spätere Veränderung hin. Vielleicht bei der Renovierung 1952?
Nummerierung auf einer Leiste über den Kipphebeln.
Spielhilfen: Walze, Schweller
Walze ab, HRg. aus Walze, Tutti,  Auslöser,  als Knöpfe unter Klaviatur von Man. I.

Gebläse frei stehend auf Dachboden
Motordaten: Aug. Laukhuff-Weikersheim, Masch.-Nr. 33897
cbm (m.c.) 8 Min., W.S. (Press.) 120, Motor-Nr. 12712, H.P. 0,45, Volt 220/380,
Amp. 1,5/0,9, Tour. (Rotat.) 2800, Period 50, Phas. 3
Magazinbalg im Untergehäuse der Orgel
Windkanal: Hartfaseplatte,
Winddruck:
107,3 mm WS an Pfeifenloch von Principal 8’ a° (Prospekt)
106,2 mm WS an Pfeifenloch von Salicional 8’ g’’’‘ , Oberoktavkoppel
107,6 mm WS an Pedal, Pfeifenloch von Subbass 16’ f’

Pneumatische Kegelladen, Pfeifenstöcke Fichte,
Pfeifenaufstellung diatonisch nach innen aufsteigend.

Gesamtpfeifenzahl 692, (ohne Blindpfeifen) davon 54 aus Holz

HAUPTWERK I
Flöte 8′ doppelt labiiert
Principal 8′ Große Oktave Holz alt? Rest Prospekt 1937
Gemshorn 4′
Mixtur II-III 2 2/3’ ab cis° dreifach, Repetition fis’’
MANUAL II
Salicional 8′ ab c° 1750 ?
Rohrflöte 8′ Große Oktave gedeckt
Principal 4′ z.Tl. ältere Pfeifen, z.Tl. Portunalbärte und Rollenbärte Herkunft unbekannt 1750?
Quinte 2 2/3’ Metall, aus früherem „Dolce“ 1750
Waldflöte 2’ Metall, konisch
PEDAL
Subbass 16′ Holz, einzelne Pfeifen möglicherweise 1750
Flötenbass 8′ Transmission aus HW
Choralbass 4′ Transmission aus HW

Gleichstufig temperiert 
Absolute Tonhöhe: a’ 429,7 Hz bei 7,43° Celsius
Relative Luftfeuchtigkeit 75,4%, atmosphärischer Luftdruck 1021 hPa auf NN,
gemessen am 02.12.2014, 13:21 Uhr

Schallpegel
Aus 5 m Entfernung gemessen
Ruhepegel 28,9 dBA, Gebläse33,1 dBA, geringste Lautstärke 58,6 dBA,
größte Lautstärke 84,9 dBA,
gemessen am 02.12 2014

Alleinstellungsmerkmale:
Asymmetrien im Barockprospekt,
Zimbelstern außer Funktion

Medien:
Teckbotenarchiv Heimatbuch Anita Rauscher: Untersuchungen über die Orgeln des 18. und 19. Jahrhunderts im Evangelischen Dekanatsbezirk Kirchheim unter Teck

Ernst Leuze und Wolfgang Znaimer:
Schriftenreihe des Stadtarchivs Kirchheim unter Teck Band 36:
Orgeln unter Teck (S. 21)

andere Instrumente im Raum: E-Piano

Kontakt

Adresse Pfarramt und Gemeindebüro:
Kirchstr. 43
73272 Neidlingen
Tel.: 07023-909 350
Fax: 07023-909 351
Evangelische Kirchengemeinden Hepsisau und Neidlingen

Adresse der Kirche:
Kirchstr. 43
73272 Neidlingen

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