Petruskirche, Jesingen

Walcker 1961, Jurgenson 1999,
Lenter 2002

Technische Daten

Repro der Petruskirche von 1960 Hundertdreißig Jahre lang prangte eine Barockorgel mit neun Registern auf der Ostempore in der Jesinger Kirche. Eine Reparatur ist für 1827 belegt. Unsicher ist, ob damals der Klang dem veränderten Zeitgeschmack angepasst wurde. Jedenfalls zogen 1890 mit der Orgel von C. L. Goll und Sohn neue Klänge in die Jesinger Kirche ein. Der fünfteilige Prospekt passt zur Innenausstattung. Ein Vierteljahrhundert vorher, 1864, war der Raum in diesem damals modernen neugotischem Stil erneuert worden. Eine frühe Farbfotografie zeigt diesen Zustand aus der Zeit vor 1959.

In den Jahre 1959 und 1960 wurde die Kirche saniert und nach Osten hin erweitert. Dabei wurde die Ostempore, mitsamt der Orgel abgerissen. In der neuen Raumkonzeption hätte das alte Instrument keinen Platz mehr gefunden. Ganz abgesehen davon, dass man in der nüchternen Nachkriegszeit keinerlei Verständnis mehr hatte für die Klänge der vergangenen Epoche. Abwertend sprach man von mulmigen Orgeltönen. Auf dem vorgesehenen Platz an der Ostwand des Chorraums errichtete E. F. Walcker & Cie. eine zweimanualige Orgel mit 12 Registern. Planung durch Dr. Walter Supper, Esslingen.

Disposition

Hauptwerk
Metallflöte 8′
Prinzipal 4′
Hörnle 2′ + 13/5′
Mixtur 4-fach
II/I
Brustwerk
Gedeckt 8′
Rohrflöte 4′
Nasat 2 2/3′
Feldflöte 2′
Zimbelpfeife
Tremulant
Pedal
Subbass 16′
Singend Oktave 8′
Piffaro 4′ + 2′
I/P
II/P

Anlässlich einer Ausreinigung 1999 überarbeitete William Jurgenson die Intonation, brachte die Mechanik wieder in Ordnung und installierte ein neues Gebläse. Register, die kaum benützt worden waren, wurden ausgetauscht gegen vielseitiger verwendbare: Das Hörnle im Hauptwerk wich einer Doublette 2‘, die Zimbelpfeife des Brustwerks wurde unter Verwendung der meisten seitherigen Pfeifen zu Terz 4/5‘. Im Pedal hatte sich die 2‘-Reihe des Registers Piffaro ganz und gar nicht bewährt (stört die Diskantregion im vierstimmigen Satz). Deswegen wurde ausgewechselt gegen Fagott 8‘. Doch dieses Zungenregister wollte zunächst die Stimmung überhaupt nicht halten. Orgelbau Lenter gelang es 2002, die Stimmhaltung zu stabilisieren. Eine Stiftertafel erinnert an die Geldspenden zugunsten der Orgelrenovierung von 1999.

An einer einzigen Stelle zeigt sich noch die Verbindung mit der Orgelbautradition aus dem 19. Jahrhundert, am zierlichen Spieltisch, der ohne jedes weitere Aufhebens sich darauf beschränkt, die zwei Manuale zu schützen und im aufgeklappten Deckel den Noten Platz zu bieten, eben genau so, wie es früher war. Doch auf beiden Seiten, die für die Sechziger-Jahre so typisch seelenlosen Rechteckformen mit eintönigem Gestäb am Untergehäuse und der überdimensionierten Gehäusetür an der Wand. Eine Etage höher, das Sammelsurium an modernistischen Besonderheiten: der Übereckprospekt mit Kupferpfeifen (in diesem Fall als Bezug zu den farbigen Fresken durchaus einleuchtend), ganz oben das stursteife chromatische Flachfeld des Hauptwerks –  Vortäuschung falscher Tatsachen übrigens, denn die Windlade steht einen Stock tiefer (durchschobene Lade, Hauptwerk und Pedal zusammen). Alle Prospektpfeifen sind konduziert. Darunter das Brustwerk, wiederentdeckt von der Orgelbewegung, mit

Türen, die aber nicht mit einem Schwelltritt gesteuert werden können, sondern von Hand entweder zu, offen oder, was selten vorkommt, halb offen gestellt werden kann. Trotzdem findet alles zu einem verträglich in den Raum gestellten Möbel zusammen, vor allem, weil man aus der schrägen Ansicht vom Kirchenschiff her die Stilbrüche nicht wahrnimmt, die bei frontaler Draufsicht dem Auge weh tun. Aus Gemeindeperspektive fällt auch der naivkecke Dachlinienaufschwung nicht so sehr ins Gewicht. Innenansicht der Petruskirche Jesingen

Detail der Petruskirchenorgel Spieltisch angebaut, Manual I Hauptwerk, Manual II Brustwerk, Pedal. Umfang: Manuale C – g’’’, Pedal C – f’. Notenpult: Innenseite des Spieltischdeckels Notenauflage mit Klavierband befestigt Breite/Höhe/Tiefe/Neigung 650 mm, 240 mm, 350 mm, ca. 20°. Beleuchtung Notenpult: Leuchtstoffröhre hinter ausladender Holzblende. Beleuchtung Pedal: Leuchtstoffröhre hinter unauffälliger Holzblende. Beleuchtung Manubrien: wie Notenpult. Beleuchtung des Orgelinneren: Leuchtstoffröhren. Beleuchtung des Prospekts: Keine spezielle. Motorschalter: Unscheinbarer Minikippschalter über dem 2. Manual. Kontrolllicht Motor: Pedalbeleuchtung. Steckdosen: 1x Aufputzdose rechts neben Pedal, für Besucher nicht sichtbar. Elektroinstallation: Nicht sichtbar. Heizung: beweglicher Konvektor hinter Orgelbank. Schlösser: Nur an Spieltischdeckel. Schlüssel: Schlüssel für Spieltischdeckel. Firmenschild: Nachträglich angebrachte Stiftertafel. Orgelbank: Verstellbar mit Kurbel, links, und Skala.

Manual
Mechanisch. Klaviatur: Zweischenklig, Oktavmaß 165 mm.
Breite Untertasten: (in mm) c 22,5 d 21,8 e 22,5 f 22,3 g 22,8,a 22,3 h 22,8.
Tastenteilung: Breiteste/schmalste Untertaste g h 22,8 mm /d 21,8 mm.
Tastenfall: I 8 mm, II 8 mm. Obertasten einsinken: I 4 mm, II 5 mm.
Tastendruck: I 125 – 160 g  II 125 – 180g.
Länge Untertasten: I 131 mm,  II 133 mm, Tastenköpfe 46 mm.
Länge Obertasten: I 84 mm, II 80 mm.
Abstände Obertasten: Cis-dis 17,5 mm, fis-gis  17mm, gis-ais 16,3 mm,
ais-cis 31 mm, dis-fis 31 mm.
Vertikaler/horizontaler Manualabstand: 59 mm /100 mm.
Koppeln: II-I, I-P, II-P.
Abstrakten: Holz.
Winkel:  Holz.
Wellenbretter: 1, Wellen: Alu, Ärmchen: Holz.
Tastenbelag: Untertasten Kunststoff, Obertasten Ebenholz.
Neigung der Klaviaturen: I 0,5° nach vorne, II 2° nach vorne.

Pedal
Form: radial, konkav, Obertasten geschweift. Oktavmaß: 440 mm.
Tastenfall: 14 mm, Obertasten einsinken: 20 mm.
Tastendruck: 1800 g – 2500 g.
Länge Untertasten / Obertasten: 680 mm / 140 mm.
Breite Untertasten / Obertasten: 25 mm / 25 mm. Einschub: 365 mm.
Vertikale Position: 735 mm unter Manual, horizontale Position:c° unter a°.
Tasten: Eiche massiv.

Mechanisch, Manubrien: gedrechselte Zapfen in zwei senkrechten Doppelreihen links und rechts der Klaviatur.
Registerstangen: Holz, Aluwellen.
Registernamen und -nummern in Steinschrift eingraviert auf weißen Kunststoffplättchen in den Zapfen.
Koppeln und als Zimbelstern als Tritte

Gebläse in gedämmtem Kasten im Untergehäuse, Ansaugfilter.
Motordaten: Aug. Laukhuff-Weikersheim,   5  99,
cbm (mc) 8 Min., Motor Nr.88502, H.P. 0,65, Volt 220/380, Amp. 1,5  0,9, Tour 2800, Period 50, Phas. 3
Schwimmerbalg mit Rollventil, Ladenbälge.
Windkanal: Glattes Kunsstoffrohr, geklebt, Kondukten glattes Kunststoffrohr und Flexrohr.
Winddruck: 68,1 mm WS am Fußloch HW Prinzipal 4’ Taste C Prospekt.
69,5 mm WS am Fußloch BW Terzzimbel Taste C.
Tremulant: Für Brustwerk pneumatisch, überschwebend.

Schleiflade. Hauptwerk (Man I) und Pedal: Durchschobene Lade,
Brustwerk (Man II): Kanzellenlose Schleiflade.  Kunststoffschleifen, Schwanzventile.
Pfeifenaufstellung: chromatisch.

Gesamtpfeifenzahl: 792, davon 116 Holzfpeifen und 30 Zungenpfeifen.

HAUPTWERK I
Metallflöte 8′ C-H Prospekt Kupfer mit Zinnfüßen Spitzlabien
Principal 4’ D-g’ Prospekt
Doublette 2’ 1999 Jurgenson
Mixtur IV Repetition g° f’ g’’, c°- fis’, höchster Chor abgesteckt
BRUSTWERK II
Gedackt 8′ Holz/td>
Rohrflöte 4’
Nasat 2 2/3’
Feldflöte 2′
Terz 4/5′ 1999 Jurgenson, ehemals Terzzimbel, 8 neue Pfeifen. Repetition: c’’-g’’ 1 3/5’, a’’-a’’’ 3 1/5’
PEDAL
Subbass 16’
Singend Oktave 8’ Schichtholz
Choralbass 4’ früher Piffaro 4’+2’
Fagott 8′ 1999 Jurgenson, Lenter 2002

Ungleichstufig temperiert, c-e schwebt deutlich weniger, g-h und f-a etwas weniger als gleichstufig temperiert.
Absolute Tonhöhe: 444,8 Hz bei 20,8° Celsius, Atmosphärischer Luftdruck: Auf NN 1026 hPa, relative Luftfeuchtigkeit: 66,1 % 

Schallpegel
Ruhe 29,7 dBA Gebläse 33,6 dBA .
Min 49,4 dBA (Brustwerktüren offen 63,8 dBA)
Max 82,5 dBA

Heimatbuch der Gemeinde Jesingen, 1959 Jesingen.
PETRUSKIRCHE JESINGEN/TECK,  Kirchenführer, 2010 Jesingen.
Schriftenreihe des Stadtarchivs Kirchheim unter Teck Band 36: Orgeln unter Teck (Seite 167)

Schütz brummt bei eingeschaltetem Motor mit 200 Hz

Kontakt

Pfarramt und Gemeindebüro
Mühlstraße 2
73230 Jesingen
Tel.: 07021-9822646
Homepage Pfarramt

Adresse der Kirche:
Petruskirche
Kirchstraße 2
73230 Jesingen

 

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